2. Gutenberg-Symposium zum Thema Finanzen und Moral ?!

2. Gutenberg- Symposium - Universität trifft Wirtschaft: Politik, Wissenschaft und Wirtschaft diskutieren über Finanzen und Moral?!

Auch das 2. Gutenberg-Symposium, das der Executive MBA-Studiengang (EMBA Mainz) der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) veranstaltete, ließ über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den Roten Saal der Hochschule für Musik auf den Campus kommen. Die Idee, drei hochkarätige Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zu dem Thema "Finanzen und Moral?!" referieren zu lassen, stieß auf breites Interesse. Das Plenum setzte sich aus Hochschulvertretern, Studierenden sowie aus Vertretern von Unternehmen unterschiedlicher Branchen und aus der Politik zusammen.

Eröffnet wurde die Veranstaltung durch die Vizepräsidentin für Studium und Lehre der JGU Mainz, Univ.-Prof. Dr. Mechthild Dreyer. Dreyer hob die Bedeutung des international ausgerichteten Executive MBA-Studienganges für die Internationalisierung der Universität hervor. Daneben ist der berufsbegleitende Studiengang ein wichtiger Bestandteil der wirtschaftswissenschaftlichen Studiengänge des Fachbereichs, welche im aktuellen CHE-Ranking "Wirtschaftswissenschaften" vom Mai 2014 insbesondere aus Studierendensicht als hervorragend bewertet wurde. Für den Fachbereich des Fachbereichs Recht und Wirtschaft sprach anschließend der Dekan des Fachbereichs, Univ.-Prof. Dr. Roland Euler, ein kurzes Grußwort.

Anschließend stellte der Leiter des Executive MBA-Studiengangs, Univ.-Prof. Dr. Franz Rothlauf, die Referenten kurz vor und übergab dann das Wort an den rheinland-pfälzischen Finanzminister, Dr. Carsten Kühl, der sich in seinem Beitrag "Werteorientierte Finanzpolitik - geht das in der Praxis?" mit den drei großen Themen Gerechtigkeit, Freiheit und Verantwortung beschäftigte. Nach Kühl folgt aus Werten politisches Handeln, welches er an den Beispielen Staatsverschuldung, Finanzmärkte und Europäische Staatsschuldenkrise diskutierte und dabei auch kritisch reflektierte.

Wissenschaftlich näherte sich Univ.-Prof. Dr. Gerhard Minnameier, Inhaber der Professur für Wirtschaftsethik und Wirtschaftspädagogik an der Goethe-Universität in Frankfurt und Dozent des Executive MBA Studiengangs der JGU Mainz, der Thematik. Sein Vortrag stand unter dem Titel "Moral und Finanzen aus verhaltensökonomischer und wirtschaftsethischer Perspektive". Unter Heranziehung des Gefangenendilemmas als Teil der Spieltheorie gab Minnameier Beispiele, wie Verhalten auf Märkten vom gesellschaftlichen Rahmen bestimmt wird, innerhalb dessen die Teilnehmer agieren. So ändert sich alleine durch eine unterschiedliche Bezeichnung des gleichen Spiels (Stock Market versus Community Game) das Verhalten der Menschen deutlich. Daher ist den handelnden Individuen aus verhaltensökonomischer Sicht nicht immer ein Fehlverhalten vorzuwerfen, da sie in der Regel gewinnmaximierend agieren und ihr Verhalten sehr stark durch die vorgegebenen Spielregeln bestimmt ist. Die Auflösung des scheinbaren Widerspruchs von Finanzgeschäften und moralischen Maximen hält der Wirtschaftsethiker durch eine Änderung der Ordnungsstruktur, in der diese Geschäfte ablaufen, beispielsweise durch das Verbot bestimmter Geschäftsmodelle, für möglich.

Mit Spannung erwartete das Plenum den Beitrag von Dr. Jörg Kukies, der als Referent den Blickwinkel der Unternehmenspraxis darlegte und zugleich als Partner bei Goldman Sachs ein Vertreter des Investmentbankings darstellte. Kukies ist in seinem Vortrag stark vom ursprünglichen Manuskript abgewichen um einen direkten Bezug zu seinen beiden Vorrednern nehmen zu können. In seinem Beitrag zum Thema "Markt zwischen Moral und Rendite" beschrieb er den nach der Finanzmarktkrise vom ehemaligen Chef der Deutschen Bank Ackermann propagierten "Kulturwandel" in der Bankenindustrie. Er zeigte Mechanismen auf, die die Banken erarbeitet haben, um mögliche Probleme einer zu hohen Risikobereitschaft in den Griff zu bekommen. Hier haben Banken zusammen mit den Regulierungsbehörden umfangreiche Sicherungsmechanismen entwickelt, durch die das stark asymmetrische Auszahlungsprofil von Wertpapierhändlern kontrolliert werden kann. Darüber hinaus wurde die Eigenkapitalbasis der Banken und Finanzinstitute deutlich erhöht, um zukünftig die Wahrscheinlichkeit einer möglichen Vergemeinschaftung von Verlusten zu verringern.

Nach den drei Fachvorträgen stellten sich die drei Referenten einer lebhaften Diskussion und beantworteten Fragen und Beiträge der Zuhörerinnen und Zuhörer. Zum Abschluss lud der EMBA Mainz alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu einem Empfang ein. Nach anregenden Gesprächen und kleinem Imbiss endete das Symposium gegen 22 Uhr.